Für ihre neue 17m^2 Miet-Wohnung im fensterlosen Dachgeschoss eines Altbaus in Floridsdorf verlangt die 31 jährige Christina S. nun weitere Auskünfte von ihrem potentiellem Vermieter. “Bevor ich 970€ kalt für diese Traumwohnung raushau, will ich halt wissen wer der Vermieter ist, " argumentiert die Softwareentwicklerin, die sich damit den Traum der ersten eigenen Wohnung verwirklichen möchte. Sie verdiene zwar seit Jahren weit über dem österreichischen Durchschnittsgehalt, rauche nicht, habe keine Haustiere und sei auch sonst eine ordentliche Person (Zitat Makler: “weiß genug”), doch trotzdem habe sie Schwierigkeiten eine annehmbare Wohnung für unter 1000€ monatlich zu finden. “Dafür muss man schon mal weiter raus aus der Stadt,” wie sie erklärt.
Klassische Hürden vor dem Abschluss
Die 70-seitige Dokumenten-Mappe mit Auskünften für den Vermieter umfasste etwa
- alle Gehaltszettel seit dem 12. Lebensjahr,
- eine Liste aller Familienmitglieder mit Stammbaum
- eine Liste von Ex-Freunden samt Geburtsdaten und SV Nummern,
- einen einwandfreien Strafregister-Auszug,
- einen einwandfreien Abtreibungsregister-Auszug, und
- den ärztlichen Nachweis eines korrekt eingehaltenen Monatszyklus sowie die schriftliche Bestätigung zur Bereitschaft diesen im Stiegenhaus-Aushang bereitzustellen und einzuhalten (+/-1 Tag Abweichung erlaubt).
Sie ergänzt: “Der Makler hat gemeint den Rest holen sie sich eh über irgendwelche Databroker die die Daten von allen möglichen Websites und Leaks zusammensammeln. Das sind zB Einkaufsverhalten, sexuelle Vorlieben, oder eben auch private Fotos meiner kleinen Nichte – all das lassen sie sich dann von einer AI auswerten die trainiert wird auf Basis der Daten im ‘Justizanstalt Stein - Geheimes-Gefangenen-Intranet-Forum’. Find ich faszinierend, ich liebe AI.” Sie sei auch eine aufstrebende LinkedIn-Influencerin zum Thema AI, doch wir fragen nicht weiter weil es uns nicht interessiert.
Neue Hürden vor dem Abschluss
Nach wochenlangen Verhandlungen zu dem Mietvertrag, geben sowohl Makler als auch Vermieter grünes Licht. Schließlich möchte aber auch Christina S. noch auf Nummer sicher gehen. Sie verlangt vom neuen Vermieter ebenso diverse Auskünfte, wie etwa
- eine Liste aller Vormieter in dieser Einheit (inklusive Geburts- und Todesdatum und -Grund, inkl. Daten des Täters im Mordfall),
- eine Liste aller Nachbarn im Wohnhaus, inklusive Strafregister-Auszug,
- die durchschnittliche Mietpreis-Entwicklung aller aktuellen und ehemaligen Wohnungen des Vermieters, gruppiert nach Bezirk und sortiert nach der höchsten Steigung der Miete, und schließlich
- die bewerteten Mathematik-Hausübungen des Vermieters aus der Volksschule
“Das ist wohl das mindeste was ich verlangen muss, aber ich bin mir sicher da kommt eine positive Meldung vom neuen Vermieter zurück!” freut sich Christina. Sie schickt das Mail ab und packt weiter die Sachen aus ihrem Kinderzimmer in der Eltern-Wohnung zusammen. Man darf gespannt sein.